Fremdbestimmt überleben
oder selbstbestimmt Leben?

Grundlagen der Kognitionswissenschaften und kognitiver Neurowissen-schaften unter dem Aspekt der Begabungs- und Begabtenförderung.

Fremdbestimmtheit oder Selbstbestimmtheit?

Fremdbestimmtheit bzw. Fremdgesetzlichkeit (Heteronomie) bedeutet seinem Ursprung nach die scheinbare bzw. wirkliche Abhängigkeit von fremden Einflüssen oder einem fremden Willen. Hingegen wird Autonomie als eigenverantwortende Selbstbestimmtheit bzw. Selbstständigkeit verstanden.

Nicht autonom ist vor allem der Mensch, der es versäumt hat, sich aus erinnerten Erziehungssituationen seiner Familiengeschichte zu emanzipieren. Dadurch werden die ursprünglichen Autoritäten (beispielhaft Eltern) als eine von außen kommende (Fremd)Bestimmtheit auch im Erwachsenenalter akzeptiert.

So wird ein Mensch nicht selbstständig und autonom im Sinne dieser Abhängigkeit aus früheren Beziehungs- und Autoritätsverhältnissen, die von Kindheit an das Selbst- und Weltbild geprägt und vorgegeben haben. Insofern hat der erwachsene Mensch dadurch eine der wichtigsten Entwicklungsaufgaben im eigenen Wachstum und Werden nicht geschafft, weshalb er sich den von der Außenwelt kommenden (An)Weisungen unter- bzw. zuordnet oder verinnerlichte „Spielregeln“ als gedankliche Antreiber und Verurteiler in sich wahrnimmt.

Diese bestimmenden Gedanken werden automatisch und unbewusst in jeder Fragestellung bzw. Lebenssituationen aktiviert bzw. als eine objektiv verpflichtende Handlungsmaxime wahrgenommen, die dem erwachsenen Menschen oftmals den Spielraum zur selbstbestimmenden Individualisierung nimmt.
Erkennbar wird dies vor allem im Sprachausdruck dieser Menschen (z.B. „ich muss“, „ich sollte“, „man darf nicht“, „man tut nicht“, „man macht das so“ usw.). Ebenso sichtbar wird es durch den scheinbar unentrinnbaren und verpflichtenden Aufforderungscharakter, der in manchen Situationen für diese Menschen entsteht (z.B. „ich muss pünktlich sein“, „das muss unbedingt fertig werden“ usw.). Diese unreflektierte kognitive „Weisungsgebundenheit“ lässt sich als Sammelbegriff menschlicher Reizverarbeitungsprozesse und identitätsrelevanter Bedeutungsvergaben verstehen.
Je nach Kontext, was im Rahmen dieser „Gesetzesvorgaben“ in der Kindheit erlernt und verinnerlicht wurde, wirkt dies formgebend zur Gestaltung des Selbstbildes und konstruiert ein dementsprechend „strenges“ Weltbild.

Dieses Konstrukt der Kognition erschließt sich meines Erachtens vorrangig aus dem Verständnis von Wahrnehmung als Konstruktion von Welt (Varela, 1990) und dem Bewusstseinsstand als Wirklichkeitserleben im Sinne der systemtheoretischen Logikebenen des Lernens nach Bateson (1964).

Im Gegensatz dazu steht die selbstbestimmte und unverfügbare Lebensdynamik im Raum „zwischen“ gemäß Waldenfels (1996). Dieser Raum „zwischen“ entsteht durch das eigene „Innehalten“ vor einem anderen Menschen, da man diesen anerkennen und würdigen möchte, so wie dieser ist. Das entspricht einem „nicht wissen“ in dem „kennen lernen“ und „anerkennen“ vergegenwärtigt wird. Waldenfels beschreibt diese Selbstbestimmtheit als einen originären Lernprozess der „Neuschöpfung“, etwas nicht durch „(wieder)erkennen“ kognitiv zu erinnern bzw. an biographisches Vorwissen anknüpfend „weiter zu konstruieren“, sondern im schöpferisch präsenten jetzt „kennen-lernen“ wesensgemäß zu erkennen. Das bedeutet ein „anerkennen“, was jetzt „wirklich“ da und wahr ist, ähnlich wie es von Maturana als „to live is to know“ (Maturana und Varela, 2012) beschrieben wird.

Der Fremdbestimmtheit entspricht das Modell von Kognition und Gedächtnis als rein informationsverarbeitende Systematik, wie von Zimbardo (2004, S.298) mit dem Ausdruck „Information fließt“ beschrieben. Dort wird dem Leben und Zusammenleben die Gesetzlichkeit in einer objektiv repräsentativen, quantifizierbaren und strukturierten Bedeutung unterstellt, nach der es sich zu richten gilt.
Dieses Konzept bzw. die Identifikation mit den darin enthaltenen Vorannahmen definiert sich auf der 1. Lernebene der Logik nach Bateson (1964) und ist aus der Betrachtung des interdisziplinären Forschungsfeldes der Kognitionswissenschaften und jüngeren Gehirnforschung und Quantenphysik nicht haltbar. Da ein solches Verständnis von „Lebens-Wissen“ impliziert, dass der Sinngehalt von Menschsein im Sinne eines lebenslangen Lernprozesses nicht existiert, sondern die gedankliche Übernahme und Speicherung von etwas objektiv und unveränderlich „als richtig“ Gelerntem ist, soll dabei von der Außenwelt und Gesellschaft von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Vorstellung beinhaltet, dass im Sinne dieser Fremdbestimmtheit ein Menschsein unabhängig von Körpergeschehen, Gefühlserleben und sozialer Interaktion bei Bedarf als Wissen abrufbereit memoriert und verkörpert werden kann.
Varela (1990) hat zu diesem ursächlich systemtheoretischen Wirkungszusammenhang im Sinne eines kausalen Prinzips Stellung genommen. Fremdbestimmtheit wird von ihm dargestellt, als ein nicht zuträgliches kognitives Konzept, welches ohne hinterfragt zu werden oder den Bedürfnissen eines Individuums angepasst zu werden, von diesem als erlernte Lebens-Wahrheit aus dem Elternhaus übernommen wurde und für eine objektive Lebens-Wahrheit und Welt-Wirklichkeit gehalten wird. Er weist ausdrücklich auf den systemischen Zusammenhang von Lernen, Wissen und Gewusstem mit der jeweiligen Wahrnehmung zur Konstruktion von Welt hin, da diese nicht wirklichkeitsabbildend sondern wirklichkeitserzeugend wirke.

Dazu formuliert er, dass Wahrnehmung - das Identitätsempfinden inkludierend - und Wissen - das biographische und kulturelle Vorwissen inkludierend - konstruktiv und konstruierend im Sinne von wirklichkeitserzeugend wirke und nicht eine schon vorhandene allgemeingültige Wirklichkeit objektiv abbildend als Wissen erfahrbar mache: „Die Tatsache aber, dass die Welt uns so erscheint, als sei sie ‚außen‘,

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FRAU MANN

hpp Claudia Ingrid Mann M.A.
Profiling  &  Krisenintervention
Coaching Donau-Universität Krems
Lecturer Open University London
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